Bauhausfeste – Die Entwicklung
„Spiel wird Fest – Fest wird Arbeit – Arbeit wird Spiel“
(Johannes Itten, Antrittsrede 1919)
Schon seit der Gründung des Bauhauses im Jahr 1919 bildeten regelmäßige ausgelassene Feste einen unverzichtbaren Bestandteil im Zusammenleben von Schülern und Lehrenden sowie zwischen dem Bauhaus und der Weimarer und später Dessauer Bevölkerung. Mit immer wieder neuen Einfällen richteten die Bauhäusler so klangvolle Veranstaltungen wie das „Weiße Fest“, das „Metallische Fest“, das „Bart-, Nasen- und Herzensfest“ oder das „Schmierfinkenfest“ aus. Auf diese Art und Weise wuchsen die Bauhäusler zu einer eingeschworenen Gemeinschaft zusammen, bündelten in der Organisation der Feste kreative Kräfte und zelebrierten gleichwertig, ob Student ob Meister, gemeinsam das besondere Lebensgefühl, das am Bauhaus vorherrschte und bis heute in zahlreichen Fotografien der Bauhauszeit transportiert wird.
Aufgrund der außerordentlichen Bedeutung für die Entwicklung von Architektur, Städtebau, Bühne, Kunst, Design und neuen Medien im 20. Jahrhundert zählen das Bauhaus Dessau und die Meisterhäuser seit 1996 zum UNESCO-Weltkulturerbe. Anlässlich der Übergabe der Eintragungs-Urkunde in die Welterbeliste und in Anknüpfung an das „Weiße Fest“ von 1926, das anlässlich der Einweihung des Bauhaus-Gebäudes groß gefeiert wurde, nahm die Stiftung Bauhaus Dessau im Sommer 1997 die Tradition des legendären Festefeierns am Bauhaus erneut auf. Wie die Originalfeste stellen die Kuratoren auch die Farbfeste unter wechselnde Mottos und Formate mit dem Ziel, den Alltag einmal mehr hinter sich zu lassen, Zerstreuung, Phantasie, Provokation und Experiment in Einem zu finden und den öffentlichen Raum in einen offenen Bauhaus-Campus zu verwandeln.
Statt Farbe: Licht
Der nun seit dem Farbfest 2011 auf drei Jahre gewählte Titel „Statt Farbe: Licht“ bezieht sich auf eine Kapitelüberschrift des 14. Bauhausbuches „von material zu architektur“ aus dem Jahr 1929. Der Autor des Buches, der Bauhausmeister László Moholy-Nagy (1923-28), erörtert hier die zukunftsweisende Bedeutung der Fotografie als moderne Form der Malerei. Die Stiftung Bauhaus Dessau erweiterte in Kooperation mit mehreren Hochschulen nun die „Licht-Malerei“ zu einer neuen Formensprache der Lichtprojektionen. In diesem Jahr wird dieser Themenkomplex zusätzlich um die Komponente „Klang“ ergänzt und greift so synästhetische Verschmelzung und Interaktionen auf.