Licht-Klang-Raum Experimente am Bauhaus
Für das Farbfest 2012 haben wir uns von den unterschiedlichen künstlerischen Positionen am historischen Bauhaus inspirieren lassen. Mit dem „Bauhauspfiff“, dessen Anfang zu den Worten „Itten-Muche-Mazdaznan“ gesungen werden konnte und zur Erkennungsmelodie der Bauhäusler wurde, wollen wir das Fest zum Klingen bringen. Neben einer musikalischen Farblehre rund um die Zwölftonmethodik gab es damals besonders spannende Ansätze zu Klang und Licht in Experimenten rund um die Bauhausbühne, bis hin zu theatralischen Licht-Schatten-Spielen an den Balkonen des Prellerhauses: Wassily Kandinsky forschte zu synästhetischen Bühnensynthesen, Lothar Schreyers Worttonkunst des „Klangsprechens“ bestimmte, durch Lichteffekte unterstützt, die Bewegung der Darsteller, Oskar Schlemmer experimentierte u.a. für Maskenchor, Metalltanz, Glastanz, Stäbetanz und Illusionstänze mit Licht reflektierenden, klingenden Kostümen und Materialien. Rund um das optische Phänomen der doppelten, warmen und kalten Schatten kreierten Kurt Schwerdtfeger und Ludwig Hirschfeld-Mack mit speziellen „Spielkästen“ reflektorische Lichtspiele zu Klaviermusik. Erstaunlich vorausschauend erscheinen heute auch László Moholy-Nagys Visionen von Städtelichtspielen und Lichtfresken und sein Entwurf für einen „multimedialen, interaktiven Museumsraum, den ‚Raum der Gegenwart’, während seine originäreren Schallplatten-Ritz-Experimente quasi ein Vorläufer der DJ-Bewegung des Scratching sind.
Statt Statik Kinetik – ‚Visions in Motion’
Zu Zeiten des Bauhauses prallten unterschiedlichste gesellschaftliche Visionen der gesamteinheitlichen Avantgardebewegungen wie Futurismus, Kubismus, Dadaismus, Suprematismus und Konstruktivismus aufeinander. Deren Anhänger teilten alle denselben Wunsch danach, den statischen Zustand, den sie vorfanden, aufzubrechen und diesen prozessorientiert zu dynamisieren. In diesem Sinne proklamierte László Moholy-Nagy 1929 „statt Statik Kinetik”. Sein kinetischer „Licht-Raum-Modulator“, der unentwegt neue Schattenbilder erzeugt, sowie die „Partiturskizze zu einer mechanischen Exzentrik“ für ein „Theater der Totalität“ repräsentieren hervorragend seine „Visions in Motion“ und den Einsatz neuster Techniken für Ton, Licht und Raumgestaltung.
Das Farbfest 2012 soll dynamische Visionen entstehen lassen – lebendig und inspirierend für jeden! Das Bauhausmotto „Kunst und Technik – eine neue Einheit“ wird mit Licht, Klang, Raum und Bewegung in mediengestützten und interaktiven Projekten neu interpretiert, die eine heute wie damals herrschende Technikfaszination thematisieren. Wie lassen sich diese Elemente modular in vielfältigen Formen, aufbauend aber auch aufbrechend miteinander in Beziehung setzen.