Programm 12. Farbfest ROT
Sonnabend, 5. September 2009
21.00 Uhr
Roter Umzug zum Bauhaus
Höhepunkte des Umzuges ist die Brücken-Inszenierung „Homochanik“, bestehend aus schwebenden Körpern, Stelzenläufern, Kostümen und Klanginstallationen. Der Theaterraum ist durch die Brückenbögen auf ein Minimum an Raumelementen reduziert und somit fast nur noch als Raum zu erahnen. Er öffnet sich nach oben gänzlich und ist für eine Bespielung auf mehreren Ebenen ideal. Die Kostüme knüpfen an die von Oskar Schlemmer entwickelten Vorstellungen raumplastischer Kostüme an. Einfache geometrische Formen umhüllen den Darsteller. Der menschliche Körper ordnet sich zum Zweck der Koordination eines Formen-, Farb- und Raumspiels den verwendeten Bühnenmitteln unter. Er ist Auslöser bestimmter Automatismen und steuert so das Spiel auf der obersten Ebene. Einige Figuren sind mit großen schwebenden geometrischen Formen verbunden. Es entsteht ein Spiel, was sich mit der Situation eines Menschen an einem Spielautomaten vergleichen lässt. Der Darsteller steht im ständigen Konflikt zwischen Kontrollverlust und Kontrolle der Automatismen. Die „Dreiheit“ (Form-Farbe-Raum/Tanz-Kostüm-Musik) als abstrakte Rahmung für Schlemmers 1922 uraufgeführtes „Triadisches Ballett“ liefert auch hier die Basis der Inszenierung. Daraus entwickeln sich für die Inszenierung bestimmte dynamische Regeln.
Ein weiterer Höhepunkt ist der Auftritt der Tanzgruppe „Schaut – hin!“. Die in der Tanzperformance verwendeten Klänge haben Werkstattcharakter, sind experimentell, denn es geht um die Erschaffung von etwas Neuem, für Außenstehende Fremdem. Dies symbolisiert die damalige Lage der Bauhäusler, die um ihre neuen Ideen und Ansichten kämpfen mussten. Von den Tänzern anfangs getragene Masken stehen für eben jene neuen Ideen, Ansichten und Umsetzungen, die oft wie Geister oder fremde Wesen abgetan werden, man muss stark sein, diese zu vertreten und durchzusetzen. Das Absetzen der Masken am Ende ist Zeichen für das wachsende Verständnis und die Akzeptanz für ihr Werk, die die Bauhäusler im Laufe der Zeit gewinnen konnten.
Ein weiterer Teil der Performance geht mehr in den Raum, nimmt mit klaren Bewegungsabläufen Bezug auf die Bauhausarchitektur und wird im Gegensatz zum vorhergehenden Teil musikalisch sehr harmonisch begleitet.
21.30 Uhr
Rotes Fest am Bauhaus
Gestaltung
Zum 90jährigen Bauhausjubiläum steht das Gebäude im Mittelpunkt. Durch eine gleichmäßige Grundbeleuchtung der gesamten Fassade in Rot soll das Gebäudeensemble für die Besucher des Farbfestes aus der Ferne als eine in sich geschlossene Einheit auftreten. Durch die Art der Beleuchtung, die klare Linien und Formen betont, wird der eigentliche Charakter des Gebäudes, die Einheit von Form und Funktion, nicht zerstört, sondern betont. Die Signalfarbe Rot soll „neugierig“ machen und die Besucher an das Gebäude ziehen. Die Beleuchtung unterstreicht die Verbindung zwischen den einzelnen Gebäudeteilen zu einem funktionellen Ganzen. Bei näherem Hinsehen soll sich dieser Gesamteindruck allerdings auflösen. Nun sollen die Einzelheiten und Details die Aufmerksamkeit erregen. Dieser Effekt wird durch die gestalterische Hervorhebung einzelner bestimmter Gebäudedetails durch nichtfarbiges Licht erreicht. Bestimmte Fensterfronten mit ihren Gitternetzen, Treppenaufgänge und Gebäudesymmetrien werden zusätzlich betont. Das eigentlich „gleichmachende“ Aussenlicht wird innerhalb des Gebäudes durch den Einsatz der Komplementärfarbe immer wieder gebrochen. Der Betrachter soll durch das Licht vom Großen und Ganzen auf das Detail gelenkt werden.
Im Nordflügel werden die bereits vorhandenen Wandfarben spielerisch einbezogen. Das heißt, die bereits vorhandenen roten Farbflächen werden hervorgehoben und die weißen Flächen „eingefärbt“. Optische Täuschungen innerhalb des Treppenhauses sollen neue räumliche Wahrnehmungen ermöglichen.
An der Ostseite des Prellerhauses ist die Architekturprojektion „KreisRot“ von „urbanscreen“ geplant. Ein roter Tropfen Licht fällt auf weißen Stein, zerfließt und legt sich über die Fassade wie eine zweite, imaginäre Haut. Leuchtende Balkone bilden die Bühne für abstrahiert grafische Figuren. Entlang der klaren Struktur des Gebäudes brechen sich Grafiken im rhythmisierten Puls.“KreisRot” ist eine graphische Choreographie, die, kombiniert mit 3D-Animation und Filmsequenzen, die Ostseite des Prellerhauses erleuchtet. Die exakte Ausführung der Bilder, Grafiken und Animationen ist Übersetzung der dem Gebäude eigenen Ästhetik. Die von den Bremer Künstlern als "Lumentektur" getaufte Arbeitsweise integriert die Architektur als aktiven Mitspieler und schafft so außergewöhnliche Unikate.
Performances und Installationen
Macandé – Flamencoshow mit Ben Papst und Trio.
Das Programm von Macandé ist authentisch pur und leidenschaftlich neu und reicht vom traditionellen Flamenco bis zu leichten Latin - Jazz Kompositionen.
Der aus Andalusien stammende Sänger begleitet mit einem Gitarrenduo eine Flamenco-Tänzerin. In dieser temperamentvollen Show verschmelzen klassische Vorbilder mit Eigenkompositionen und Improvisationen, wodurch neue Klangperspektiven geschaffen werden.
“I took the red pill“, ein Videofilm von Ramesh Polikara (Indien), 2005
Der Film ist eine Persiflage auf die Marken- und Warenwelt, in der Werte, Ideale und Emotionen zum Handelsgut werden. Wer sich zu Gunsten der »roten Pille« entscheidet, findet sich in einer merkantilistischen Matrix wieder, aus der nur schwer zu entkommen ist. Der Film wurde u.a. auf dem Next Reel International Film Festival, New York, dem Exground Filmfest in Wiesbaden gezeigt und erhielt den Audience Award, Art of Film, Dessau.
“farbtest 6”, ein Videofilm von Gerd Conradt, 2008.
Berlin, 1968, ein filmisches Experiment nach Eadweard Muybridge, Andy Warhol und dem New American Cinema: Junge Männer rennen als Stafette mit einer roten Fahne in der Hand über eine verkehrsreiche Straße, der letzte trägt die Fahne ins Rathaus. Angeregt von dieser „Studie über Bewegung und ein Symbol“ entstanden Remakes in Stockholm, Sulmona und Hongkong. Nun wird der Film in Dessau aufgeführt und erweitert durch eine Stafette durch den Dessauer Stadtraum zwischen dem Dessau-Center, dem Stadtpark, Theatervorplatz und dem Bauhausgebäude. Das entstandene Filmmaterial wird als Remake geschnitten und während des Farbfestes präsentiert.
Kaufhalle
Im ehemaligen Tanzcafè am Bauhaus wird ein Aus-Blick auf die die zukünftige Nutzung des Gebäudes als gemeinsame Bibliothek der Stiftung Bauhaus Dessau und der Hochschule Anhalt (FH) geboten. Eine begehrbare Lese-Installation rund um die Themen Fliegen und Utopie wird ein weiterer, bewegter Ruhepol des Farbfestes sein. Für das Fest wird sich das Gebäude im roten Gewand zur Gropiusallee hinwenden.
[FUNK]
Ein Projekt des Anhaltischen Theaters in Kooperation mit der Stiftung Bauhaus Dessau. [FUNK] ist ein elektronischer Stadtschreiber – einer, der nicht über seine Stadt spricht, sondern diese selbst zu Wort kommen lässt. [FUNK] ist ein Netzwerk, ist Inhalt und Kanal zugleich – ein Medium im Wortsinne: [FUNK] schaltet sich dazwischen, verbindet und strahlt aus. Auf diese Weise entsteht ein lebendiges Klangbild einer Stadt, eine Art akustischer Stadtroman, der jeden Tag neu geschrieben wird – ein ganzes Jahr lang. Vom August 2009 bis zum Juli 2010 wird die Bauhausstadt als ein Klanglabor erkundet, erprobt, dokumentiert und veröffentlicht.
„Maskenchor“ – Kinder stellen aus.
Das Bauhaus Dessau veranstaltete vom 6. bis 10. Juli einen Sommerferienworkshop für Kinder. Während des Workshops konnten die Kinder das Gestalten von Masken erlernen und erste Möglichkeiten der spielerischen Anwendung. Schließlich ließen die Kinder auf der Bauhausbühne einen eigenen „Maskenchor“ nach Vorbild Schlemmers entstehen, dessen fotografierte Standbilder auf dem Farbfest zu sehen sind.
Tanz-Schau-Spiel „O.S. / 2.3.“, Voraufführung
Diese Hommage á Oskar Schlemmer, die in Kooperation zwischen der Stiftung Bauhaus Dessau und dem Meta-Theater München entsteht und im Dezember uraufgeführt wird, interpretiert die zweite Reihe aus Oskar Schlemmers „Triadischen Ballett“. Diese Reihe, nach Schlemmer in rosa gehalten, besteht aus einem Eintanz, einem Zweitanz und einem Dreitanz. In der Abstraktion von Körper-Bewegung-Musik werden neue Interpretationsräume erschlossen, in der Sprache und Text (re-)integriert werden.
Musikalisches Programm
Los Bomberos de Monte Cruz - Flamenco patxanka metropolitain und Fiesta-Feeling
Sancho Gitano, der Initiator und Gitarrero unzähliger musikalischer Projekte, hat auf seiner Rundreise vom Balkan über Andalusien bis Rio de Janeiro am staubigen Straßenrand des Lebens alles aufgesammelt, was frisch, verrückt und explosiv ist. So entstand eine Musik aus Pachanka, Latin, Ska, Punk, Polka, Reggae, Flamenco oder Balkan. Ein unverwechselbarer Sound in der Tradition von Manu Chao, Mano Negra, Emir Kusturica, Amparanoia, Django Reinhardt oder Negu Gorriak. Seit 2005 spielte die Band u.a. auf dem Aachener „Blind Date Festival“, beim „Sziget Festival“ in Budapest als Gast im Sinti-Roma-Zelt beim, bei der WDR Funkhaus Europa Party.
Didges Brew - Ethno-Jazz des 21. Jahrhunderts
Die Band kreiert einen organischen Tribal-Electro-Ethno-Funk für das 21. Jahrhundert. Das mit druckvoller Stimme und temporeicher Mundperkussion gespielte Posaunen-Didge klingt dabei, als wäre eine Groovebox am Werk. Assoziation mit "Bitches Brew" von Miles Davis sind dabei beabsichtigt. Didges Brew nutzen das älteste Blasinstrument der Welt, wie man es nicht kennt: als druckvollen Effekt für Stimme und Mund-Perkussion. Damit bewegen sie sich meilenweit entfernt vom folkoristischen Image des Didgeridoo. Spielerisch werden virtuose Breakbeats mit treibend-rhythmischen und gleichzeitig klanglichen Landschaften verwoben und das Ganze mit Funk oder Rap-Einlagen kommentiert. Damit leisteten die Musiker jenseits ausgetretener Pfade auf diversen Festivals, im Radio und TV Pionierarbeit für das Didgeridoo in Europa!
Russkaja – russische Skarakete aus Österreich
Die Band wurde 2005 vom russischen „Stahlhammer“-Sänger Georgij Alexandrowitsch Makazaria gegründet und gastierte seit dem auf internationalen Bühnen. Die Musik der Band ist geprägt durch postmoderne Version russisch-ukrainischer Folklore, durch Ska, Raggae und Jazz – untersetzt mit energiegeladenen Grooves. Für ein größeres Publikum wurde die Band bekannt durch die Teilnahme an der österreichischen Late-Night-Show „Willkommen Österreich”. 2008 erschienen das Debütalbum „Kasatchok Superstar. Die Songtexte sind überwiegend in russischer, teilweise auch in englischer und deutscher Sprache verfasst.
Freddy Fischer & His Cosmic Rocktimeband – die Superdisco, Funk, Soul und Musik der 70er
In dieser Musikshow wird Funky Beats der 70er Jahre, Soul und deutsche Texte zu einem zeitgemäßen, groovigen Disco-Erlebnis kreiert. Mit Freddy Fischer wird ein großes Stück westlicher Musikgeschichte transportiert, denn bereits 1974 nahm er sein erstes Album auf. Damals aus Liebe zum amerikanischen Soul und seine Bewunderung für intelligenten ostdeutschen Schlager von Manfred Krug oder Veronika Fischer. Er lebte teilweise in Amerika als Organist verschiedener Soulinterpreten und als DJ. Nun spielt er in der neuen Show erdigen, lebensfrohen Soul in der Tradition von Al Green, in der Songs der Bee Gees, Trio, Udo Lindenberg und auch Manfred Krug einfließen.
She’s All That - „Wildstyle Electro Beats“
Schnarrige Maschinentöne, Sequenzer-Gequetsche, verzerrte Weltraumstimmen und Rock– das alles ist She's All That. Die Band ist seit Jahren inmternational unterwegs auf Bühnen einschlägiger Clubs wie und Festivals und war regelmäßig in MDR-Sputnik und BBC Radio1 zu hören
Trondheym - „Live Electronic Jazz“
Durch den kreativen Einsatz der elektronischen Medien des 21. Jahrhunderts, einer durch zahllose Effektgeräte gespielten elektrischen Gitarre und Live Video, in Kombination mit dem eher traditionell-holzigen Klang der Bassklarinette, kreiert Trondheym einen eigenen Sound. Durch einen neuen Umgang mit der Improvisationskultur erreicht die Musik der Band ein jüngeres Publikum als auch den traditionellen Musikfan und ist beeinflusst durch die multikulturelle Vielfalt Berlins.
Auf dem im Oktober 2009 bei NRW Records erschienenen dritten Trondheym-Album „Stay Tuned“ haben sich u.a. die in Berlin lebende israelisch Sängerin Ofri Brin oder Alexa Rodrian beteiligt.
Gaia-Percussion
Die Dessauer Band „Gaia-Percussion“, die bereits auf mehreren Farbfesten spielte, tritt während des diesjährigen Farbfestes unter dem Namen "Bardenspyl feat.Gaia-Percussion" auf und spielt französisch-bretonische Musik aus dem Mittelalter. Zu Gast ist die Band "Winterspring" aus Dessau und Anhalt-Bitterfeld mit einem musikalischen Programm unter dem Namen „bittersweet alternativ“.
Veranstaltungen in der Eröffnungswoche
Samstag, 29. August 2009 – Samstag, 5. September 2009
Sa 29.8.
21.00 Uhr „Jazz-Kulttour“
Jazz-Painting mit der Leipziger Band „Connewitz Connection“ und
den Dessauer Künstlern Anja Körting und Hartmut Falke.
Ort: Museum für Stadtgeschichte im Johannbau, Dessau-Roßlau
Di 1.9.
19.00 Uhr After-Work-Party
Ort: DESSAU-CENTER, Dessau-Roßlau
Mi 2.9.
14.00 Uhr Wäsche-Färbe-Aktion vor dem Waschhaus Laue
Ort: Zerbster Strasse, Dessau-Roßlau
16.00 Uhr Roter Staffel-Lauf
zwischen Dessau-Center – Stadtpark – Anhaltischem Theater und Bauhaus-Gebäude
19.00 Uhr Jazz meets Cuba
ein rotes Picknick
Ort: Stadtpark, Dessau-Roßau
Do 3.9.
ganztägig Wäsche-Färbe-Aktion
Ort: DESSAU-CENTER, Dessau-Roßlau
Fr 4.9.
Performance mit Christiane Baumann und Showtime
Ort: DESSAU-CENTER, Dessau-Roßlau
Sa 5.9.
Performance mit Christiane Baumann und Showtime
Ort: DESSAU-CENTER, Dessau-Roßlau